Home > Privates > Dieser Winter frostriert mich wirklich

Dieser Winter frostriert mich wirklich

In den letzten Tagen und Wochen habe ich mir online und im realen Leben immer wieder den gleichen Satz anhören müssen: “Boah, leck mich am Arsch, ist das kalt!”. Ich kenne mich jetzt in diesem thermischen Bereich nicht so extrem gut aus, aber ich behaupte dass eine kleine Zunge an einem Hinterteil keine messbare Erwärmung nach sich ziehen würde. Dafür würde man wohl eine gigantische Walzunge benötigen, aber die ist für einen solchen Versuch ja auch nur teilweise geeignet. An den momentanen Temperaturen haben wohl die wenigsten Pendler ihre Freude, vor allem die lieben Autofahren quälen sich jeden Morgen mit dem Windschutz-Scheiben-Kratzen. Ein wahrer Segen ist der Schnee für die Wintersportgebiete wie Gstaad oder Davos, tausende Menschen machen wieder die Skipisten unsicher.

In einer kürzlich gesehenen Reportage reiste ein Reporter an den kältesten Arsch der Welt, dieser liegt irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion. Damals liess sich noch genau sagen in welchem Land dieser Ort ist, heute stehen die Häuser irgendwo in einem Splitterstaat. Lassen wir die Diskussion um die geografische Lage und kommen zum eigentlichen Thema zurück; In diesem Dorf ist es nämlich scheisskalt. Im Gegensatz zu denn dortigen Bewohner sind wir richtige Sofatouristen und verkriechen uns bei eisiger Kälte sofort ins warme Bett. Im Sommer herrschen dort maximal -30 Grad und im Winter verkriecht sich das Thermometer in den -70 Grad Bereich. An den Eutern tragen dort die Kühe eine Art Bikini um die Milch vor der Mutation zum Milchshake zu bewahren und das Trinkwasser hacken die Bewohner mit Speeren aus dem See.

Solche Wärme wie bei uns ab und zu im Sommer herrscht, kennen die Tiere und Menschen in diesem Dorf also nicht. Dies hat aber auch erhebliche Vorteile im Bezug auf das Nachtleben oder die Umwelt-Politik. Vor einem Dance-Club kann man nicht auf einer Kotze von einem besoffenen Teenager ausrutschen, diese wird durch die Kälte nämlich sofort schockgefroren und wird zum Eislaufen benutzt. Nur schade gibt es dort in diesem Kaff keine heissen Discos mit einem Auftritt von Sir Collin, ich wäre nämlich zu gerne mal vorbei gehuscht und ein Bier getrunken. Dabei hätte ich auf jeden Fall mit meinem warmen Bett geprotzt und ein paar hübsche Frauen zu mir nach Hause eingeladen. Neben der eisigen Kälte und den dicken Schichten an Klamotten gibt es dort sowieso nichts Spannendes zu sehen, also bleibe ich doch lieber in meiner guten warmen Stube und tu ein bisschen fernseh-kiffen.

Angeblich verliert der Mensch über die Kopfhaut bis zu 70 Prozent seiner Körperwärme, bei diesen Temperaturen könnten einigen Personen also leicht die Gehirnzellen einfrieren. Deshalb haben die Russen wohl diese megamässigen Puschelmützen erfunden und als Vorbeugung gegen thermisch bedingten Intelligenz-Ausfall in die ganze Welt exportiert. Jetzt weiss ich aber auch weshalb Männer im Winter immer etwas anders ticken als im Sommer, diese sind nämlich mehr von Haarausfall betroffen als Frauen und verlieren daher mehr Gehirnzellen durch erfrieren. Aber wir leben ja zum Glück in einer zivilisatorischen Neuzeit und die Kosmetikindustrie beschenkt uns mit Haarwurzeltuning, welches unsere Haare dichter macht und denn gestoppten Haarwuchs fördert. Dieses Zeugs besteht ja aus irgendwelchen Koffeinkomplexen die auch in Cola und Kaffee vorkommen.

Ich glaube dass niemand so viel Geld dafür ausgeben wird, schliesslich steht dass Generika bei jedem im Kühlschrank. Bei mir hat die Kaffeedusche jedoch mehr Schmerzen als ein Haarwuchs-Wunder bewirkt, vielleicht hätte ich den Kaffee zuerst noch abkühlen müssen. Aus der ganzen Geschichte habe ich eigentlich gar nichts gelernt, aber es ist doch schon wie wir uns ab kleinen Dingen ärgern können. Die Bewohner in diesem Dorf brauchen sich keine Sorge wegen der Klimaerwärmung zu machen, die werden noch lange warten müssen bis die Temperatur in den kritischen Bereich hinaufsteigt. Trotzdem bin ich über diesen Winter frostriert, es ist scheisskalt und ich verliere 70% der Körperwärme wegen wenigen Haaren. Vielleicht entscheide ich mich doch für die Arschhaar-Transplantation, diese würde wiederum “Boah, leck mich am Arsch!” erheblich vereinfachen.

KategorienPrivates Tags:

DeliciousFacebookRSS FeedTechnoratiTwitterGoogleLinkedIn


  1. Patrick Lang
    17. Januar 2010, 08:42 | #1

    Das isch en coole Pricht wo du da gschribe hesch!! Wo um himmelswille isches den -30 – -70Grad uf dere Wält, Das isch jo “Arschchalt” :-)

  2. 18. Januar 2010, 00:40 | #2

    Der kälteste bewohnte Ort der Welt heisst Oimjakon und liegt im Osten Russlands. Gestern meldete die Wetter-Station -67°C. Die tiefste jemals gemessene Temperatur liegt bei -72°C (1926). Allerdings gibt es auch noch einen inoffiziellen Wert von 1915: -81°C.

  1. Bisher keine Trackbacks